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Orgosolo

Die sardische Gemeinde Orgosolo liegt mit ihrer Gesamtfläche von 224 km² und einer Einwohnerzahl von etwa 4516 in der Provinz Nuoro. Im Zentrum des zerklüfteten Supramonte Gebirges gelegen, trennen es ca. 21km von der Stadt Nuoro.

Zahlreiche Zeitzeugen vergangener Epochen finden sich hier, und sind eine Besichtigung wert. Die Troglodytischen Gräber, die Reste der Nuraghen Kultur, Dolmen und eine Ansammlung an Gigantengräber. Einschlägige Berühmtheit erhielt der Ort allerdings nicht durch seine faszinierenden Kulturschätze, sondern durch den Sardinien- Kriminal- Mythos.

Mit Veröffentlichung eines Buches, dass die zweifelhafte Aussage beinhaltet, das Sarden zur Kriminalität vorbestimmt seien, geriet dieses beschauliche Örtchen ins Zwielicht. Grundlage für diese Literatur war eine Banditenkultur, die sich im 19. Jahrhundert gebildet hatte, und Widerstand gegen die zahlreichen Eroberer Sardinien´ s bildete.

Des weiteren erschütterte eine Familientragödie im Jahr 1903 über den Zeitraum von 14 Jahren Orgosolo, und teilte den Ort in zwei verfeindete Lager. Nach einen Waffenstillstand brach diese Fehde 1947 erneut aus. Mehr als 50 Menschen forderte die blutige Familienstreiterei. Zahlreiche Einsätze der Carabineri konnten nichts ausrichten, jedoch vertrieben sie unzählige Männer in die Berge, die dann als Banditen ihr Leben fristeten.

Traurige und reißerische Titulierungen in den Presse warfen ein schlechtes Bild auf diese Stadt. Dabei sind gerade auch in Orgosolo die traditionellen Canti a tenores- der polyphonische Männergesang- stark verbreitet. Hier werden sardische Texte in Gedichtform vorgetragen, wobei drei Choristen mit Silben antworten. Der Inhalt dieser klangvollen musischen Künste handelt zumeist vom einfachen Leben als Bauer oder Schafhirte.

Womit auch die Haupteinnahmequelle aufgezeigt wird: Orgosolo lebt überwiegend von der Schafzucht und den sich daraus ergebenden Produkten. In letzter Zeit steigt auch der Einnahmesektor Tourismus, wenn auch auf skurrile Art: So bieten Reiseveranstalter Tagesausflüge zum Friedhof an, da dort Inschriften wie "...erschossen von..." zu sehen sind. Der Film Banditi a Orgosolo beruht auf der Grundlage des einfachen Lebens in dieser Region.